[Rezension] Erebos (Urzula Poznanski)

Titel: Erebos
Originaltitel: -
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe Verlag
Veröffentlichung: 06. Juni 2011
Seiten: 488
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Genre: Young Adult

Inhalt

In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht – Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten.
Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden.
Auch Nick ist süchtig nach Erebos – bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen …



Meine Meinung

Ein Buch, in dem es um ein Videospiel geht. Ein Videospiel, das mit der Realität verschmilzt. Eine Realität, die immer bedrohlicher wird. Das klingt nach einem Erfolgsrezept, dem man sich nicht entziehen kann. Und Erebos liefert, was es verspricht: Man wird in die Welt des Spiels gesogen, so wie auch der Hauptcharakter Nick selbst. Irgendwann hört man auf, sich beim Lesen Nick vorzustellen und fängt an, sich seinen Charakter aus dem Spiel vorzustellen. Durch geschickte sprachliche Tricks schafft es die Autorin auch, diesen Übergang beinahe unbemerkt von Statten gehen zu lassen, sodass man es erst bemerkt, wenn es fast schon zu spät ist - genau so, wie das Spiel es gewollt hätte.

Je mehr man von dem Spiel erfährt, desto mehr beginnt man, sich zu wundern, was das eigentliche Ziel des Spiels ist. Was hat es davon, wenn niemand von seiner Existenz erfährt und die Spieler alle zum Stillschweigen verpflichtet werden? Was hat es davon, seine Spieler glücklich zu machen und die Außenstehenden zu bestrafen? Das alles wird uns Lesern auch erst klar, wenn Nick so langsam aber sicher dahinter kommt, dass bei diesem Spiel nicht alles Gold ist, was glänzt. Doch dann ist es schon fast zu spät, um zu verhindern, was das Spiel als großes Finale vorhergesehen hat...

Erebos ist sehr gut zu lesen, der Schreibstil ist einfach und klar. Manch einem älteren Leser dürfte er an einigen Stellen etwas sauer aufstoßen, weil versucht wird, die Sprache von Jugendlichen zu imitieren, doch das sind Kleinigkeiten. Auch die Geschichte selbst ist interessant aufgebaut und wenn sich gegen Ende des Buchs langsam aber sicher alle Handlungsstränge vereinigen und man erkennt, worauf das Spiel einen die ganze Zeit schon hinweisen wollte... also, bei mir gab es an der Stelle einen richtigen "Aha!"-Moment.

Mir persönlich kommen leider die moralischen Aspekte der Geschichte zu kurz. Die Charaktere sind alle Teenager, also durchaus in der Lage, über ihr Handeln nachzudenken. Und doch ist das Spiel für sie wichtiger als die Familie, die Schule, ja, sie begehen dafür sogar Straftaten, nur um im Spiel einen Level aufzusteigen. Auch erschien mir Nick als Hauptcharakter oft ungeeignet, ein Charakter, mit dem man sich wirklich identifizieren kann, ist er auf jeden Fall nicht.

Mein Fazit

Erebos hat seine Schwächen, das kann man nicht abstreiten. Allerdings ist es auch als Buch für Jugendliche gedacht, möglicherweise bin ich einfach schon zu alt, um es mit voller Überzeugung lesen zu können. Themen wie blöde Lehrer, nervige Veranstaltungen nach der Schule und der ewige Kampf, um zu den coolen Kids zu gehören, sind bei mir nun doch schon ein paar Jahre her.

Zu empfehlen ist es aber allen, die ihren Spaß an Jugendliteratur haben und erstrecht für jeden, der schon mal erlebt hat, wie sehr man sich in einem Videospiel verlieren kann. Nur noch ein Level, nur noch eine Quest, so sieht es aus =P




Zur Autorin

@ ursula-poznanski.de
Die Spiegel-Bestsellerautorin, auch bekannt durch ihre Jugendromane „Saeculum“ und „Die Verratenen“ sowie durch ihre Thriller für Erwachsene: „Fünf“ und „Blinde Vögel“, erschienen beim Wunderlich Verlag, widmet sich in ihrem Jugendbuchdebüt dem Thema Online-Rollenspiel. Entstanden ist ein fesselnder und spannender Unterhaltungsroman, sogartig wie das beschriebene Computerspiel und dessen Fantasy-Setting, der sich mit den Gefahren der virtuellen Welten und deren Suchtpotenzial auseinandersetzt.