[Rezension] Nr. 13 (Laura Wullf)

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Titel: Nr. 13
Autor: Laura Wulff
Verlag: dotbooks
Veröffentlichung: Februar 2014
Seiten: 368
Kosten: 7,99 €
Genre: Krimi, Thriller
Leseprobe

Challenge: Find the Cover 2014

Kurzbeschreibung:
"Er trug die Kutte eines Mönchs...", so beschreibt die verwirrte alte Frau den Mörder, den sie in der gegenüberliegenden Wohneinrichtung für rehabilitierte Sexualstraftäter beobachtet haben will. Einzig mit dieser Aussage kann der Kölner Kriminalkommissar Daniel Zucker - nach einem Unfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte, wieder frisch im Dienst - jedoch nicht anfangen zu ermitteln, ohne einen Eklat zu verursachen. Als Zeichnerin zu dem Fall hinzugezogen, stößt seine Frau Marie auf Hinweise, die ihren Chef in Verbindung mit den Straftätern bringen. Währenddessen beschließt Maries Cousin Ben, um Daniel zu helfen und seine eigenen Dämonen zu besiegen, das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen. Wird es ihm gelingen, etwas über den Mord zu erfahren, ohne sich selbst in Lebensgefahr zu bringen?


Die Reihe:
#1 Leiden sollst du (Jan 13)
#2 Nr. 13

Meine Meinung:
Nach dem Prolog wollte ich das Buch weglegen. Wirklich wahr. Was da an Grausamkeit geschrieben steht, ist wohl kaum zu toppen - auch wenn ich nicht wüsste, warum man das toppen wollen würde. Der kurze Prolog, von dem man möchte, dass er einfach nur zu Ende geht, schildert die Vergewaltigung eines kleinen Jungen. Aus der Sicht des kleinen Jungen. Klingt schlimm, ist aber noch viel schlimmer, wenn man es liest. Danach gönnte ich mir eine Lesepause und hockte mich in eine Ecke, manisch vor mich hinstarrend.

Dann nahm ich dann doch wieder das Kindle in die Hand, da mir klar wurde, dass es - so grotesk es auch klingt - unglaublich realistisch und glaubwürdig geschrieben ist. Laura Wulff hat einen sehr nüchternen Schreibstil und versteht es, ihre Figuren gekonnt in den verschiedensten Situationen einzufügen. Daniel und Marie Zucker, ebenso wie Ben und andere Charaktere, wirken wie aus dem realen Leben direkt ins Buch kopiert.

Ich wurde auf das Buch auf Blogg dein Buch aufmerksam, hab jedoch nur bedingt mitbekommen, dass es sich hierbei um einen zweiten Band aus einer Krimi-Reihe handelt. Und mit "bedingt" meine ich im Prinzip gar nicht. Auch als ich anfing zu lesen, wusste ich davon nichts. Erst als das Wort GeoGod fiel und ich damit nichts anfangen konnte, wurde ich stutzig. Internet sei Dank, fand ich dann auch heraus, dass von Laura Wulff bereits ein Vorgänger namens Leiden sollst du erschienen ist. Weitergelesen habe ich dennoch, da ich auch ohne ersten Band sehr gut in die Geschichte gefunden habe. Es tauchten nur hin und wieder Momente auf, die sich auf den ersten Teil beziehen, was ich jedoch nicht als störend empfand. Nr. 13 lässt sich als vollkommen eigenständige Geschichte lesen. Auch das muss man - innerhalb einer Reihe - erstmal hinbekommen.

Der bereits erwähnte Prolog bereitet nicht nur einen ungewöhnlich heftigen Einstieg in die Geschichte, sondern auch in die Thematik. Natürlich erwartet man in einem Kriminalroman Straftäter. Hier haben wir es aber nicht mit Kleinkriminelle sondern mit Pädophile und Kinderschänder zu tun. Generell immer ein heikles Thema, egal in welcher Form. Eine kleine Gruppe ehemaliger Inhaftierter soll nun Rehabilitiert werden und bezieht als WG das Haus Nr. 13 einer Straße in Köln-Ehrenfeld. Doch in wie weit die neuen Mieter bereit für ihre Rehabilitierung sind, muss sich auch das Ehepaar Zucker fragen.

Daniel Zucker zieht es mit jedem Vorfall und jedem Hinweis erneut zum Haus mit der Nummer 13 und sein Gefühl sagt ihm, dass da nicht alles richtig laufen kann. Ebenso wie Daniel, wird man auch als Leser mit seinen Vermutungen hin und her geschleudert. Mir war bis kurz vor Ende nicht klar, wer nun wirklich zurecht verdächtig wird und wer nicht. Das kann natürlich auch damit zusammen hängen, dass ich grundsätzlich schlecht rate was solche Geschichten betrifft.

Ebenfalls kein leichtes Thema ist die Behinderung von Daniel Zucker und sein Versuch sich innerhalb der Kriminalpolizei von Köln zu behaupten. Ich finde, dass Laura Wulff die Schwierigkeiten, die Menschen in seiner Position haben, sehr gut verdeutlicht hat. Der innere Konflikt zu wissen, dass man auf Hilfe angewiesen ist, gegen den eigenen Stolz, kam wirklich glaubwürdig zur Geltung. Ebenso auch die Beziehung von Marie und Daniel oder aber auch die von Benjamin zu seinen Eltern, wurden sehr nachvollziehbar dargelegt. Alles natürlich aufbauend auf der Basis der greifbaren Charaktere.


Fazit:
Schockierend, gewagt und auch ein bisschen verstörend, aber sau gut! Es mag vielleicht an meiner mangelnden Erfahrung in dem Genre liegen, aber ich war ziemlich begeistert. Die Autorin schreibt unglaublich realistisch, was das schwierige Thema noch heftiger wirken lässt. Den ersten Band der Zucker-Reihe habe ich mir bereits besorgt!


Zur Autorin:
© laurawulff.de
Laura Wulff ist das Pseudonym von Sandra Henke, welche bereits erfolgreich in andere Genre veröffentlicht hat. Sie lebt in der Nähe von Köln und arbeitet als Autorin und Dozentin bei der Bastei Lübbe Academy. "Sie trinkt gerne ein Glas blutroten Wein, findet, dass Neid die Seele vergiftet, und könnte nicht für Schuhe morden, sondern für ein gutes Buch."