[Rezension] Nachts, wenn der Tiger kommt (Fiona McFarlane)

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Titel: Nachts, wenn der Tiger kommt
Originaltitel: The Night Guest
Autor: Fiona McFarlane
Verlag: DVA
Veröffentlichung: 10. März 2014
Seiten: 336
Kosten: 19,99 €
Genre: Australien, Adult, Gegenwartliteratur
Leseprobe?

Challenge: Find the Cover 2014
Aus einer Leserunde

Kurzbeschreibung:
Die betagte Ruth wohnt in einem entlegenen Haus am Meer. Seit dem Tod ihres Mannes ziehen ihre Tage gleichförmig dahin, allein vom Rhythmus der Wellen und dem Klang des Windes geprägt. Eines Tages steht eine vom Staat geschickte Pflegekraft vor der Tür. Die tüchtige Frida übernimmt schnell das Regime, sie kümmert sich um Geldangelegenheiten und die Medikamente, sodass die alte Dame das Haus gar nicht mehr verlassen muss. Langsam entgleitet Ruth das Gefühl für die Realität: Gegenstände verschwinden, ein leerstehendes Zimmer scheint bewohnt, nachts schleicht ein blutrünstiger Tiger durchs Haus … und ist Frida wirklich die, für die sie sich ausgibt?





Meine Meinung:
In diesem Roman begleiten wir die ältere Dame Ruth, Witwe, mit zwei Söhnen, welche aber schon lange ausgezogen sind. Die zuckersüße Ruth lebt nun allein in einem Strandhaus bei Sydney, dass sie ursprünglich gar nicht beziehen wollte. Es war die Idee ihres verstorbenen Mannes, Harry, welchem eines Tages relativ unerwartet bei seinem täglichen Spaziergangs einen Herzinfarkt erleidet. Nun muss sie sich allein um Haus und Garten kümmern, was ihr nur schwerlich gelingt.

Sie strukturiert ihren Tag nach Muster und Bedingungen. So regt sie sich zum Beispiel sich länger darüber auf, dass der Weg voll Sand ist, als sie brauchen würde ihn wegzufegen. Manchmal zählt sie die Wellen. Kommen nach einer Großen weniger als acht Kleine, steht sie auf und fegt den Sand weg. Und nachts wenn sie im Bett liegt, hört sie einen Tiger die Möbel im Wohnzimmer umstoßen und lauscht den Geräuschen des Dschungels. Auch zweifelt sie die Sinnlosigkeit mancher Ausübungen an - wieso sollte man morgens sein Bett machen, wenn man doch abends eh wieder alles verwühlt.

Eines Tages taucht dann völlig unangemeldet Frida auf. Sie erklärt, dass sie vom Staat angestellt wurde, um Ruth ein wenig unter die Arme zu greifen, im Haushalt und bei ihren Erledigungen. Die Person Frida ist ebenso interessant wie unsympathisch, und das komplette Gegenteil von Ruth. Ihr Auftreten ist sehr plump und direkt. Wie ein Elefant. Sie bringt Ruth' kompletten Tagesablauf durcheinander, meckert, scheint es aber insgeheim gut zu meinen.

Die Geschichte schreitet voran mit einer Stimmung, wie ich sie so noch nie gelesen hatte. Einerseits ist der Roman ziemlich ruhig und geradlinig. Dann gibt es jedoch wieder Szenen die sehr intensiv aus den Rahmen springen, ohne aber die Grundstimmung zu zerschlagen. Die Geschichte wirkt ziemlich konfus in ihrer Ordnung.

Ebenso einzigartig ist auch der Schreibstil der Autorin. Sie beweist hier eine wirklich kreative Wortfindung und beschreibt Situationen oder Eindrücke so, wie man es selbst nicht ausdrücken würde, und es passt einfach. Es macht wirklich Spass zu lesen.

Aber auch wenn es seine Momente hatte, muss ich sagen, dass es bei mir nicht hängen geblieben ist. Das liegt vermutlich auch daran, dass das Ende auf mich so wirr wirkte. Mir fehlt wohl das nötige Talent um den letzten Abschnitt (oder den Tiger) zu interpretieren und zu deuten. Es war schön, solange es wehrte, aber nichts, dass mir im Gedächtnis bleiben wird. So wie diese Situationen, die man im Nachhinein den Freunden erzählt und dann hinzufügt "Hm, ihr hättet wohl dabei sein müssen, um er zu verstehen.."



Fazit:
Die Geschichte hatte eine harmonische und witzig Grundstimmung und die Abstecher in die Erinnerungen von Ruth als junge Frau auf Fidschi waren immer sehr erfrischend. Alles in allem war es mir dann aber doch zu ruhig und Ruth's Schlussszene war für meinen Verstand nicht greifbar. Der Roman ist nicht für alle Altersgruppen, sondern eher etwas für Erwachsene - für junge Leser wohl eher nicht interessant -, deswegen von mir nur eingeschränkt empfehlbar.

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Zur Autorin:
Fiona McFarlane wurde in Sydney geboren, studierte an der dortigen Universität und promovierte an der University of Cambridge. Sie hat bisher Kurzgeschichten in namhaften Zeitschriften veröffentlicht, war Stipendiatin im Fine Arts Work Center in Provincetown, Massachusetts, im St. John’s College in Cambridge, England, und ist gegenwärtig am Michener Center for Writers der University of Texas in Austin. "Nachts, wenn der Tiger kommt" ist ihr erster Roman; er erscheint in mehr als einem Dutzend Sprachen.