[Rezension] Vor uns die Nacht (Bettina Belitz)

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Titel: Vor uns die Nacht
Autor: Bettina Belitz
Verlag: script5
Veröffentlichung: 10. März 2014
Seiten: 384
Kosten: 17,95€
Genre: Gegenwartsliteratur, Mädchen trifft Junge

Challenge: Find the Cover 2014

Kurzbeschreibung:
Sie hassen sich, wenn sie miteinander reden. Und sie lieben sich, wenn sie sich berühren. Sicher ist nur eins: Seit Ronia Jan getroffen hat, ist nichts mehr wie zuvor. Seit sie ihn das erste Mal gesehen hat, muss sie jeden Freitag zurückkehren. Abends. An den Fluss. Wenn es dort still und einsam ist. Hier, so hofft sie, wird sie ihn wiedersehen ... Niemand hat die 21-jährige Studentin Ronia bisher so fasziniert wie der rebellische Jan, der keine Konventionen kennt. Ronia und Jan kommen aus völlig verschiedenen Welten und fühlen sich doch magisch voneinander angezogen. Auch wenn Ronia zunächst dagegen ankämpft – es ist zwecklos, sie kann sich dem rätselhaften Jan nicht entziehen. Da sie jedoch einige bittere Enttäuschungen hinter sich hat, möchte sie diesmal alles anders machen: keine Träumereien, keine Versprechen, keine Liebesschwüre – sie will die Zügel in der Hand behalten. Und so beginnt ein hochexplosives, hingebungsvolles und nervenaufreibendes Spiel …



Meine Meinung:
Im Zuge einer Leserunde auf LovelyBooks kam ich zu dem Vergnügen diesen Roman zu lesen. Es ist einer dieser Roman die man liest und sich dann fragt: "Was war das? Was habe ich da eben gelesen?" Zumindest ein Teil dieser Geschichte lässt einen unruhig auf dem Sofa hin und her rutschen.

Es beginnt alles ganz klassisch. Ronia wird von ihrem Freund verlassen und hört ihn kurze Zeit später zu allem Überfluss auch noch schlecht über sie reden. Auf einer Party, zu der sie nur bedingt Lust hat, fällt ihr Blick auf einen Kerl, den sie, trotz der Schauergeschichten ihres besten Freundes, wie magisch angezogen verfolgt. Durch den Club, die dunklen Straßen, wie eine Stalkerin. Auch die nächsten Wochen begegnen sie sich zu unbewusst häufig, dass es eigentlich kein Zufall sein kann. Es liegt etwas in der Luft, als würden sie voneinander angezogen. Auch Ronia spürt es, kann es aber nicht erfassen, und bevor sie es richtig begreift, befindet sie sich in einem Sog, der sie stetig Richtung Jan zieht und alles andere um sie herum verwischt zu einem unscharfen Gewirr aus Nichtigkeiten. Sie lässt ihr Studium schleifen, kümmert sich nicht mehr um ihre unverbindlichen Verpflichtungen im Pfarrhaus, auch Freunde und Familie bleiben auf der Strecke, selbst ihre Gesundheit. Alles was sie macht hat nur das eine Ziel: Jan.

Wir beobachten hier, wie Ronia ihr Leben aufs Abstellgleis manövriert. Ein Leben, dass auch vorher schon nicht ihr eigenes war. Als Tochter eines Pfarrers, ist sie voll und ganz in die kirchlichen Aktivitäten der Familie eingespannt und das Unvermögen der Mutter, ihre Tochter loszulassen, trägt dazu bei, dass Ronia sich nie aus dem Kreis er Eltern befreien konnte. Mit ihren Treffen mit Jan stemmt sie sich gegen jede Regel, denn er gilt als Bad Boy, stammt aus einer ganz anderen Welt, einer aufregenden Welt. Er ist ihre Rebellion. Er lehrt sie das fliegen.

Der Schreibstil der Autorin ist aufregend. Sie hat die Fähigkeit schlimme Dinge in hübsche Sätze zu packen, sodass es fast poetisch wirkt. Sie schreibt verschwommen und dennoch glasklar. Ihre Dialoge sitzen. Jedes Wort der Charaktere harmonisiert mit der Geschichte. Alles befindet sich im Einklang. Auch die Charaktere, die sie erschuf, sind sehr individuell gestaltet und hauchen der Geschichte so viel Leben ein, dass man gar nicht genug davon bekommt.

Etwas ganz besonderes an diesem Roman ist die Liebe, die Ronia und Jan verbindet. Was harmlos beginnt, entwickelt sich zu etwas ganz Außergewöhnlichem. Die Zwei werden voneinander angezogen, ohne sich zu kennen oder freundliche Worte zu wechseln. Es wird zunehmends intensiver und führt zu einer Beziehung (eher zwischenmenschlich - nur bedingt im Sinne einer Partnerschaft), die man gar nicht logisch erfassen kann. Eine Beziehung, die weit über das übliche Miteinander hinaus geht.

Ihr merkt sicher, es ist Zeit für ein Aber. Mein Aber ist, dass Ronia auf Dauer mit ihrer Art sehr anstrengend ist. Sie ist innerlich so zerrissen, dass sie absolut jeden Schritt den sie macht tausendfach überdenkt, hinterfragt und analysiert, und am Ende zu dem Entschluss kommt, dass sich das Universum gegen sie verschworen hat, dass ihr Leben eine Trauerfahrt ist ohne Endstation. Generell geht sie auch immer vom Schlimmsten aus. Auch wenn ihre Denkweise unterhaltsam war, strengte es doch sehr an.

Gern würde ich auch mein Kommentar zum Ende des Romans niederschreiben, jedoch möchte ich euch ja nicht die Geschichte vorwegnehmen. Ob Ronia zu Jan und vor allem sich selbst finden wird, ob ihre Eltern sie fliegen lassen, und wer eigentlich Jonas und Johanna sind, müsst ihr euch selbst erlesen. Es lohnt sich.

Fazit:
Keine Liebesgeschichte im klassischen Sinne. Was zwischen Ronia und Jan geschieht, bewegt sich in ganz anderen Dimensionen, die man nicht greifen kann und mit Worten auch nicht beschreiben. Bis Ronia dies jedoch zulassen kann, muss sie zuerst zu sich selbst finden. Ein mitreißender Roman, der zum Nachdenken anregt, über das Leben und die Liebe.


Zur Autorin:
© bettinabelitz.de
Bettina Belitz, im Spätsommer 1973 geboren, entdeckte schon früh ihre Liebe zu Büchern. Irgendwann reichte ihr das aber nicht, und sie begann eigene Geschichten zu schreiben. Nach einem Studium der Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaft, arbeitete sie als Redakteurin und Freie Journalistin, kam dann aber doch zum Schreiben zurück. Vor Vor uns die Nacht feierte sie bereits mit der Splitterherz-Trilogie erfolge.





Ich bedanke mich herzlichst für das Rezensionsexemplar.