[Minirezension] Zerrissen (Elena Eckert)

Titel: Zerrissen
Autor: Elena Eckert
Verlag: neobooks Self-Publishing
Veröffentlichung: 31. Mai 2013
Seiten: 22 Seiten
Kosten: 0,00 €
Genre: Thriller, Psychodrama

Kurzbeschreibung:
Meine Lippen verziehen sich zu einem traurigen Lächeln, weil ich begreife, was geschehen ist. Weil ich begreife, was weiter passieren wird. Ich werde nicht reden können. Man wird mir Fragen stellen, nachhaken, möglicherweise auch geschockt nach meinen Eltern fragen. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob ich nicht schon längst von zu Hause ausgezogen bin. Meine Erinnerungen sind lückenhaft. Immer wieder tauchen die Bilder auf. Ich höre meine eigenen Schreie in den Ohren, presse dann die Hände fest darauf, in der Hoffnung, dass ich es so ausblenden kann. Meistens wird es nur schlimmer und ich rolle mich zusammen und versuche zu schlafen. Wie lange liege ich hier schon? Wenn ich mich Eins mit meinem Körper fühle, merke ich, dass meine Glieder taub sind, meine Lippen blau und ein stetiges Zittern von meinem Körper Besitz ergriffen hat. Wenn ich die Augen öffne, verursacht das helle Licht Schmerzen, die sich in meinem Kopf festsetzen.


Meine Meinung: 
Kurzgeschichten sind schwierig. Das Thema Vergewaltigung noch schwieriger. Ist wie Krebs - da schreibt man nicht mal eben drüber. Kommt beides dann zusammen, kann das schon sehr böse enden. In diesem Fall war es aber gar nicht so zum weglaufen. Die Autorin hat die Opfer-Rolle in der Ich-Perspektive wiedergegeben, und das recht und nüchtern. Man kann die seelische Taubheit der Protagonistin gut erkennen und verstehen. Man wird unterhalten. Auf groteske Weise unterhalten, wie manch einer meint. Doch am Ende legt man das Buch weg - vielmehr schaltet man den eBook-Reader aus - denkt kurz über die Vergänglichkeit der Unversehrtheit nach, fragt sich wer die Dame auf dem Cover ist, googelt vielleicht noch Dissoziative Störung, und schließt das ganze mit einem Seufzer ab, der die innerliche Abneigung zu Vergewaltigung bekräftigt. Danach widmet man sich wieder anderen Dingen im Leben - einen Kuchen backen, die Oma anrufen, Steuererklärung des letzten Jahres beginnen - denn letztendlich bleibt diese Kurzgeschichte nicht im Gedächtnis. Weder in Kurz- noch in Langzeit.