[Rezension] Frostblüte von Zoë Marriott

 Titel: Frostblüte 
Originaltitel: FrostFire (Daughter of the Flames) 
Autor: Zoë Marriott 
Verlag: Carlsen 
Veröffentlichung: 2. Oktober 2013 
Seiten: 459 Seiten 
Kosten: 14,99 als Taschenbuch
Genre: Fantasy, YA, Romance

Zoë Marriott lebt im Nordosten von Lincolnshire, zusammen mit ihren zwei Katzen Echo und Hero und ihrem Hund Finn. "Frostblüte" ist ihre erste Veröffentlichung in deutscher Sprache.

Dieses Buch stürzte mich in einen tiefen Zwiespalt. Es nahm mich mit in wundersame Höhen, nur um wenige Seiten später wieder in den dunkelsten Abgründen zu landen. Es fing schon in der Buchhandlung meines Vertrauens damit an. Das Cover. Reden wir über das Cover. Es ist kein schönes Cover - aber das ist ja bekanntlich Ansichtssache. Wie ich schon in meiner ersten Rezension beichtete: Ich urteile Bücher nach ihren Covern. Immer. Und das brachte mich irgendwann in's Grübeln: Wie viele fantastische Bücher sind dir wohl so schon durch die Lappen gegangen, bloß weil du den Geschmack des Grafik-Teams nicht teilst? Nachdem ich "Frostblüte" also eine halbe Stunde unschlüssig durch den Laden trug, es zwischendurch zweimal zurückstellte, nur um es dann doch wieder zu nehmen, ging ich damit zur Kasse. Der Klappentext und die ersten Seiten waren ja an sich vielversprechend.
Das zweite Warnsignal, was mich stutzig hätte machen sollen: Sigrid, meine liebste Buchhändlerin (hi!), hatte keinen Kommentar dazu übrig. Und sie kennt sonst jedes Buch. Wirklich, jedes. Wie Amazon, nur viel besser. Doch sie schwieg und wir wussten beide, dass das kein gutes Zeichen war. Zum Trost drückte sie mir wieder heimlich einen zweiten Stempel auf mein Kärtchen.
tl;dr Ich kaufte das Buch, obwohl mich das Cover nicht ansprach, und weil der Klappentext ganz nett klang.

Okay, Mille, aber komm mal zum Punkt, worum geht's denn nun in Frostblüte? Gut, dass du fragst! Also, da ist dieses Mädchen, Frost, die eigentlich Saram heißt, aber niemand nennt sie so. Sie ist eine Waise mit einer Axt (die einst ihrem Vater gehörte), und in ihr lebt auch ein Wolfdämon, der von ihr Besitz ergreift, wenn sie angegriffen wird. Das passierte das erste Mal, als sie 8 Jahre alt war, und seitdem ist ihr Leben ziemlich schlecht, was sie dementsprechend misstrauisch und hart macht. Frost sucht die Feuergöttin. Unterwegs trifft sie dann Luca und Arian. Beide sind echt muskulös (was in jedem Kapitel mindestens dreimal erwähnt wird) und total unterschiedlich. Luca ist der strahlende Anführer der Königlichen Berggarde, gütig, und muskulös und goldbrauner Haut und muskulös und alle lieben ihn. Arian ist das komplette Gegenteil, echt miesepetrig und abweisend, aber muskulös, und natürlich der engste Vertraute von Luca. Und muskulös.
Oh, Mille, das sind drei Hauptcharaktere, heißt das...? Bingo. Liebestriangel! Selbstverständlich schafft Luca es, Frosts kaltes Herz aufzutauen (mit seinen Muskeln) und unter Arians harter Muskeln Schale steckt natürlich auch ein weicher Kern.

Nun ist das Ganze natürlich keine bahnbrechende Neuerfindung im YA-Genre, aber anfreunden konnte ich mich trotzdem damit nicht. Es war zu viel. Da ist Frost, dieses starke Mädchen, dass sich seit neun Jahren alleine durch's Leben schlägt, hat viel mitgemacht, schon alles gesehen, und hat berechtigterweise tiefes Misstrauen in alle Menschen. Sie war mir wirklich sympathisch bis zu dem Punkt, als es lovey-dovey wird und sie zu einem dieser kecken-frechen my-wolfdemon-brings-all-the-boys-to-the-yard-Mädchen wird, weil sie sich ein bisschen an Luca kuschelt, der mit seinem Lächeln scheinbar alles heilen kann. Die Charaktere waren für mich hin und wieder einfach widersprüchlich. Allgemein mag ich es nicht, wenn weibliche Charaktere aufgrund ihrer Gefühle für männliche Charaktere plötzlich schwach und ach so furchtbar verletzlich werden. Das ist etwas, was mich in vielen Büchern, Filmen, Serien und Videospielen stört. Abhängigkeit, ugh. Reden wir nicht darüber. Enttäuscht hat mich auch, wie es am Ende gelöst wurde:  Wirklich, Arian töten? Den einzigen Charakter, der eine glaubwürdige Tiefe hatte? Und dann so schnell abgefertigt? Empört war ich, jawohl!

Jetzt will ich aber auch nicht immer nur meckern: Der Schreibstil war solide. Sehr gern mochte ich die kryptischen Andeutungen aus Sicht des Wolfes. Da zeigte Marriott, was sie wirklich drauf hat. Ich hätte mir gewünscht, dass sie das konsequent das ganze Buch durchzieht, aber leider finden sich doch immer seitenweise Abschnitte, in denen Kampfszenen langatmig geschildert werden, während die Sachen, die mich wirklich interessiert hätten (zum Beispiel die politische Situation in dem Land) viel zu wenig Beachtung bekommen. Mir fehlte dieses ganze Paket mit "Wir befinden uns in diesem Land, mit dieser und jener Vergangenheit, was die Menschen dort so und so geprägt hat". Und eine Karte! Jedes Buch, das in einer fiktiven Welt spielt, braucht eine Karte. Ich mag Karten. Ich mag es zu sehen, wo die Charaktere hinreisen, die Entfernungen, diese ganze Komplexität habe ich einfach vermisst. Zugegeben: Vielleicht hätte man dazu den indirekten Vorgänger Daughter of the Flames, der es leider nicht zu uns ins Deutsche geschafft hat, lesen müssen. Das Buch spielt in der selben Welt, nur eben mit anderen Charakteren. Trotzdem war das für mich ein kleiner Wehmutstropfen. Es hat einfach ein Stück zum Träumen gefehlt.

Schön gesagt:
Es ist nicht wirklich. Ich habe in den letzten Monaten viel über die Liebe gelernt. Und etwas, das ich gelernt habe, ist, dass man jemand für das wollen muss, was er ist, nicht für das, was man in ihm sehen will. Man muss den tatsächlich existierenden Mensch lieben; nicht irgendeinen Traum, der einem durch den Kopf schwirrt. Keiner von uns beiden hätte so leben können.

Es schmerzt mich etwas, aber leider kann ich dem Buch nur 2,5 Sterne abgewinnen. Vielleicht waren meine Hoffnungen zu hoch, vielleicht war ich einfach nicht die Zielgruppe. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch vielen Menschen eine Freude macht, aber eben leider nicht mir.


Ich bin die schlechteste Rezension-Schreiberin aller Zeiten und ich sollte mich schämen. :(