[Rezension] Fillory - Die Zauberer von Lev Grossmann

Titel: Fillory - Die Zauberer (Fillory #1)
Originaltitel: The Magicians
Autor: Lev Grossman
Verlag: Fischer
Veröffentlichung: 08. September 2010
Seiten: 624 Seiten
Kosten: 9,99 € als Taschenbuch
Genre: Fantasy, Magic

Challenge: 5x5 Themen

Kurzbeschreibung:
In der geheimen Welt des verborgenen Wissens hat die Macht einen schrecklich hohen Preis.

Quentin Coldwater steht kurz vor dem Abschluss der Highschool. Die Schule langweilt ihn – wie ihn eigentlich alles langweilt außer Fillory, das magische Land aus den phantastischen Büchern, die er liebt. Doch plötzlich findet sich Quentin, der gerade noch durch Brooklyn gelaufen ist, selbst in einer magischen Welt wieder, an einer geheimen Zauberschule: Brakebills College. Und auch Fillory gibt es wirklich. Aber es ist keine heile Welt, sondern ein düsterer Ort, von dem eine schreckliche Bedrohung ausgeht. Quentin und seine Freunde begeben sich auf eine gefährliche Reise – und müssen sich einem alles entscheidenden Kampf stellen…


Meine Meinung:
Stellt euch folgendes vor: schon im Kindesalter habt ihr die Geschichten um Narnia geliebt, die Bücher zigfach gelesen, und hättet alles dafür gegeben und aufgegeben, um einmal selbst nach Narnia reisen zu können, so wie die Pevensie-Geschwister. Doch natürlich gab es sowas wie Magie oder Fantasiewelten nicht und ihr geht den ganz gewöhnlichen Weg über Schule, Studium, Beruf, wie man es von euch erwartet. Mittendrin jedoch landet ihr plötzlich in Hogwarts und lernt das Zaubern. Nicht ganz Narnia, aber immerhin. Nach dem Studium folgt dann die eiskalte Ernüchterung. Es warten keine Abenteuer auf euch. Es müssen keine Bösewichte besiegt, Jungfrauen gerettet oder Schwerter geschwungen werden. Ihr lebt euer Leben, steigt in einen Beruf ein. Wie zuvor von euch erwartet, nur eben, dass ihr jetzt zaubern könnt. Es scheint nicht fair. Die Zeit vergeht. Das Leben zieht sich Ziellos. Doch dann, plötzlich, findet ihr den Ring, den Wandschrank, der euch nach Narnia bringt. Die Reise beginnt. Unwissend, dass es nicht so magisch kindlich ablaufen wird, wie es in den Büchern geschrieben steht.

Ersetzt Narnia durch Fillory, Hogwarts durch Brakebills, und paart das ganze Paket mit Sex, Drugs and Rock'n'Roll Finsternis. Als wäre man dauerhaft high.
"Fillory verhält sich zu Harry Potter wie Glas Whiskey zu einem Becher dünnen Tees. Aber glauben Sie ja nicht, das sei ein Kinderbuch. Grossmans Gefühlswelten sind durch und durch erwachsen, seine Erzählweise düster, gefährlich und voller überraschender Wendungen. Hogwarts war nie so."
- George R. R. Martin, A Game of Thrones
Fillory - Die Zauberer teilt sich in vier Bücher, welche verschiedene Lebensabschnitte des Protagonisten Quentins kennzeichnen. Buch I umfasst die Jahre auf der Zauberschule und macht über die Hälfte des Buches aus. Hier musste ich mich fast durchquälen. Die Zeit wird grob überflogen, nur hin und wieder werden wichtigere Ereignisse aus direkter Sicht geschildert. Im großen und ganzen ist es aber streckenweise langweilig und wirkt wie eine Einleitung. Eine sehr sehr lange Einleitung. Was es ja im Grunde auch ist.

Ähnlich verhält es sich auch im Buch II. Die Schule ist beendet. Die Ausbildung abgeschlossen und die wirkliche Welt ruft. Auch hier wird (hauptsächlich zu Beginn) viel überflogen. Zum Ende hin hat man dann aber einer richtige Geschichte, was sich dann auch durch Buch III und IV durchzieht. Was in den Lebensabschnitten in den letzten beiden Bücher geschieht, müsst ihr allerdings selbst herausfinden ;)

Ausschlaggebender Grund für mich, mir das Buch von einer Freundin zu leihen war natürlich der Kommentar von Mr George Martin auf dem Buchrücken. Wie könnte man dem widerstehen? Auch wenn ich dennoch skeptisch war (was sich auch durch die Hälfte des Buches nicht ablegen ließ), da die Wörter Harry Potter und Hogwarts fielen (ich habe bisher noch nie ein anderes Buch über eine Zauberschule gelesen - mit Absicht), kann ich nun aber sagen, dass ich seinen Kommentar genauso unterstreiche. Aufgabe zufriedenstellend gelöst, vielen Dank. Auch wenn man natürlich dazusagen muss, dass der Hogwarts-ähnliche Teil nicht die eigentliche Story ausmacht. Immerhin geht es ja um Fillory. Was an dieser Stelle kein Spoiler ist, betrachtet man den Titel des Buches und die hübsche Landkarte auf den ersten Seiten.

Das Problem hierbei lässt sich schnell finden. Da es (selbst vom Autor) mit Harry Potter verglichen wird, gehen die Leser mit ganz anderen Erwartungen an das Buch heran und werden dann enttäuscht. Quentin ist aber kein Harry. Er ist weder ein Auserwählter, noch ein Held, noch besitzt er den Mut, die Stärke und Besonnenheit von Harry. Quentin passieren schlimme Dinge. Klar, auch Harry passierten schlimme Dinge, aber im Gegensatz zu Harry geht Quentin daran kaputt. Sie zerfressen ihn jedes mal ein wenig mehr. Schon zu Beginn trifft man auf einen pessimistischen, niedergeschlagenen jungen Mann, der sich aus der Realität in seine Fillory-Bücher flüchtet. Und auch später ist er einer unter vielen.
"Man kann sich nicht dazu entscheiden, glücklich zu sein."
"Nein, das kann man nicht. Aber man kann sich sehr wohl dafür entscheiden, unglücklich zu sein. Willst du das etwa?"
Das macht das Abenteuer so viel realistischer als Harry Potter. Was würde passieren wenn wie plötzlich auf eine Zauberschule landen und uns böse Zauberer gegenüberstehen? Würden wir uns ihnen mutig entgegenstellen? Sicher nur die wenigsten. Quentin gehört nicht zu diesen wenigen. Das machte das Buch für mich (ab der Hälfte, um es nochmal zu erwähnen) so lesenswert.

Fazit:
Die erste Hälfte des Buches zieht sich. Doch hätte man sie weglassen können? Nein. Denkt nicht an Harry Potter. Lest Fillory als eigenes Werk. So könnt ihr auch diesen abgefahrenen Trip genießen als das was er ist: abgefahren!


Der Autor:
Geboren 1969 als Sohn zweier Professoren, wuchs Lev Grossman in der Nähe von Bosten auf. Er studierte Literatur, war jedoch in seinem folgenden Job nicht zufrieden, weswegen er nach New York zog und Vollzeit schrieb. Seinen ersten Roman, Warp, veröffentlichte er 1997, den Zweiten, Codex, 2004. Sein Dritter Roman, The Magicians (Fillory - Die Zauberer) wurde zu einem New York Times Besteller, ebenso wie der Folgeband The Magician King (Fillory - Der König der Zauberer), welcher 2011 erschien.