[Rezension] Die Frau am Tor von Ben Worthmann

Titel: Die Frau am Tor
Originaltitel: -
Autor: Ben Worthmann
Verlag: neobooks Selfpublishing
Veröffentlichung: 14. Januar 2014
Seiten: 177 Seiten
Kosten: 4,99 € als Kindle-Edition
Genre: Thriller


Kurzbeschreibung:
Robert Kessler, ein schon etwas älterer, einst sehr bekannter, weit gereister Reporter, führt ein zurückgezogenes, ruhiges Vorstadtleben. Auf einem nächtlichen Spaziergang in seinem Viertel trifft er am Tor eines Hauses auf eine völlig verwirrte junge Frau, die ihn verzweifelt um Hilfe bittet. Ohne zu wissen, auf was er sich einlässt, folgt er ihr ins Haus und findet dort einen Toten mit einem Küchenmesser in der Brust. Er hilft Julia, so der Name der jungen Schönen, die Leiche aus ihrem Haus beiseite zu schaffen. Von nun an gerät Kesslers eben noch so beschauliches Leben völlig aus den Fugen. Und dann steht auch noch die Polizei vor der Tür und konfrontiert ihn mit weiteren Leichenfunden.


Meine Meinung:
Bei eBooks die es im Kindle-Shop gratis gibt - ob nun kurz oder langfristig - gehe ich grundsätzlich anders heran als bei "normalen" Büchern. Diese kostenlosen Werke strotzen meist nur so von Rechtschreib- oder Tippfehlern und sind im allgemeinen auch nicht sonderlich aufregend. Deswegen fallen gelungene Stücke natürlich besonders auf. So auch dieses. Wobei "gelungen" hier im Verhältnis zu dem Durchschnitt der Angebote im Selfpublishing steht.

Die Frau am Tor hat mich überrascht. Die Rechtschreib- und Tippfehler stachen zwar ins Auge, waren aber verhältnismäßig gering, und bei dem wortreichen Schreibstil auch absolut zu verkraften. Die Seiten flogen nur so dahin und eh ich mich versah, waren die 177 Seiten auch schon gelesen. Besonders interessant an der Geschichte ist, dass der Thriller ohne viel Blutvergießen funktioniert. Grund dafür ist vor allem die Protagonistin Julia. Denn diese ist so abgedreht, dass man nie weiß, was als nächstes passiert, wie sie drauf ist und womit sie Robert belasten wird.

Neben wenig Blut, braucht die Geschichte auch wenig Charaktere. Robert und Julia, dazu noch Robert's Freundin, und der schräge Nachbar. Es treten auch weitere Figuren auf, jedoch ist ihr Auftreten eher weniger von Bedeutung und/oder direkt wieder vorbei. Macht aber nix, denn Julia gibt Action für zwei und Robert, mit seiner trockenen Sicht auf das Leben und den Turbulenzen in die er gerät, wirkt als Anti-Held so normal und anders, wir Marmelade auf Erdnuss-Butter.
Was er zunächst als dieses notorische Pochen gegen das Innere seiner Schädeldecke missdeutet hatte, das er schon oft genug erlebt und erlitten hatte, erwies sich mit zunehmender Dauer als ein akustisches Phänomen, das seinen Ursprung offenbar außerhalb seines Körpers hatte, und zwar relativ weit davon entfernt. Er musste sich eine zeitlang konzentrieren, bis er dahinter gekommen war, woher das Hämmern stammte. Es kam von der Wohnungstür.
Fazit:
Erwartet nicht zuviel - es ist natürlich kein Stephen King, aber wer Lust auf einen kleinen Thriller hat, liegt auf jeden Fall nicht daneben, wenn er zu Die Frau am Tor greift. Interessante, volle Hauptfiguren und ein angenehm reifer Schreibstil, ziehen die Augen förmlich über die Seiten.