[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Originaltitel: The Fault in our Stars
Autor: John Green
Verlag: Carl Hanser Verlag
Veröffentlichung: 30. Juli 2012
Seiten: 288 Seiten
Kosten: 12,99 € als Kindle-Edition
Genre: YA, Romance, Realistic Fiction

Challenge: Find the Cover 2014

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.
"Ich heiße Hazel. Ich bin sechzehn. Schilddrüse mit Metastasen in der Lunge. Es geht mir ganz gut."



Ich lese am liebsten Fantasy-Bücher. Querbeet
durchs Genre, von Young bis High. Wenn es gut geschrieben ist und sich ein spannender Faden durch die Geschichte zieht, reicht mir das schon, um mich gemütlich aufs Sofa fletzen zu können. Grund dafür sind nicht nur die Möglichkeiten, eine Geschichten zu gestalten, sondern auch die Ferne zur Realität. Zu unserer Realität. Denn in die möchte man sich oft nicht verlieren, sondern viel lieber vor ihr flüchten. Flüchten vor Aufgaben, Entscheidungen, Umstände und "all die unerträglichen Dingen, die trotzdem getragen werden müssen". Die Welt ist schlimm genug. Jeden Tag sterben Menschen. Warum also darüber lesen? Mit dieser Einstellung begann ich ein weiteres Mal ein Buch, außerhalb meiner üblichen Lesegewohnheiten. Dieses. Und ich habe es auf keiner Seite, bei keinem Wort bereut. Glaubt mir, wenn ich sage, dass es nur wenige Bücher gibt, die mich begeistern können, ganz ohne Bogenspannende Elfen, rachsüchtige Königsfamilien oder sprechenden Drachen. Das Schicksal ist ein mieser Verräter zählt zu diesen wenigen.
Isaac nahm das nächste Ei, warf rechts daneben, dann das nächste, warf zu niedrig, und das nächste, mit dem er voll auf die Heckscheibe traf. Dann nagelte er drei hintereinander auf den Kofferraum. "Hazel Grace", rief Gus. "Mach ein Foto, damit Isaac es sehen kann, sobald sie Roboteraugen erfinden."
Doch was ist an dem Buch, das sich mit Teenager und Krebs befasst so besonders? Für mich, liegt es nicht unbedingt an der Geschichte im Allgemeinen, denn sie war vorhersehbar. Überraschungen gab es keine. Auch fand ich es sehr hinderlich, ständig "oder so" beziehungsweise "oder so was" zu lesen. Viele Charaktere nutzten diese Textbausteine in viel zu kuren Abständen als Satzende. Ich hatte überlegt, eine Strichliste zu führen, doch hätte ich diese bei den Tränen, die ich vergossen habe, irgendwann nicht mehr weiterführen können. Und jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt.

Der Autor, John Green, schafft es, mit überzeugendem Fachwissen, was auf eine ausführliche Recherche schließen lässt, den Krankheitsverlauf ohne Klischees oder übertreibender Sentimentalität in die Geschichte zu platzieren, dass diese weder an Wert noch Aussagekraft einbüßt. Nicht zuletzt, dank den beiden Hauptcharakteren Hazel und Augustus, welche mit ihre Krankheit, und dessen tödliche Folgen, direkt und trocken umgehen. Vielleicht gerade weil ihnen der Tod in ihrem Windschatten folgt, erleben sie die Liebe als etwas Gewaltiges. Etwas, dass mehr Geschenk, als Privileg sein sollte.

Ein zerbrechlicher Roman, mit starken Protagonisten, und dennoch erfrischendem Humor. Ein Roman, der einen mitreißt, Achterbahn fahren lässt, kaputt macht, ganz flickt, tröstet und noch lange nachwirkt. Alle Sterne die uns zur Verfügung stehen für existenziell belastete Freiwürfe, V wie Vendetta und Rührei.