[Rezension] Splintered von A. G. Howard


Titel: Splintered
Originaltitel: Splintered
Autor: A. G. Howard
Verlag: Abrams
Veröffentlichung (US): 01. Januar 2013
Veröffentlichung (DE): tba
Seiten: 400 Seiten
Kosten: 8,80 € als Taschenbuch
Genre: Urban Fantasy, Young Adult, Romance

Anita Grace Howard, aus Texas, ist die Frau, die mich dieses Jahr sehr glücklich gemacht hat. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder und zweier Labradore. Wenn sie nicht gerade Zeit mit ihrer Familie verbringt, oder schreibt, ist sie aktiv unterwegs - Inlineskaten, Radfahren, Skifahren, ihr Garten, es gibt immer eine Beschäftigung. Splintered ist ihr Debütroman.


#01 Splintered
#03 Ensnared (2015)

Manchmal sieht man ein Cover und denkt sich: das oder keins! So geschehen bei Splintered von A. G. Howard. Anfang des Monats - genau am vierten November - schlenderte ich durch die Semi Finales der Goodreads Choice Awards 2013, von Kategorie zu Kategorie. Ziemlich weit unten bei den Best Debut Authors sprang mir dann direkt das blonde Mädchen mit den blauen Augen und dem Erdbeermund entgegen - umgeben von Gewächs und Getier. Dazu noch passend der Buchtitel designed - ich war hin und weg. Ohne groß zu wissen, worum es sich überhaupt handelt, landete Splintered dann direkt auf meinen to-read-Haufen. Ein paar Tage später - neunter November - wurde es mir urplötzlich auch noch auf Amazon vorgeschlagen und da ich grad nichts zu tun hatte, warf ich dann doch einen einen Blick auf die Kurzbeschreibung. Eine Alice in Wonderland Story! Es war Liebe auf den zweiten Blick.




Allerdings nicht irgendeine Alice Story - davon gibt es ja viele. Diese hier ist eine Art Fortsetzung, welche in der heutigen Zeit, mehrere Generationen nach Alice Liddell, spielt. Als Alice damals ins Wunderland gefallen ist, hat sie allerhand Unfug angestellt, welcher sich auf die weiblichen Nachkommen der nächsten Generationen auswirkt. Eben diese verlieren früher oder später den Verstand oder landen gar in der Psychiatrie. Dort sitzt auch Alyssa's Mutter. Dies ist ein Grund weswegen Alyssa befürchtet auch verrückt zu werden. Ein weiterer Hinweis darauf ist die Tatsache, dass sie Insekten und Blumen flüstern hört. Ehe sie sich versieht, tritt Alyssa durch einen zerbrochenen Spiegel in das echte Wunderland. Ein Wunderland, welches gar nicht so märchenhaft ist, wie Lewis Carroll es damals zu Papier gebracht hat.
"Broken glass severs more than skin. It will sever your identity."
Düsterer und gefährlicher. Auch die bekannten Figuren entsprechen nicht ganz denen des Buches. So ist zum Beispiel der White Rabbit eigentlich gar kein Kaninchen, sondern Rabid White, ein alter kleiner Mann, welcher vom Hals an abwärts mehr aus Knochen als aus Haut besteht. Und bei seinem vermeidlichen Hasenohren handelt es sich tatsächlich um ein Geweih, hinter seinen menschlichen Ohren. Ebenso makaber und grausig trifft man auch viele andere Bekannte in Splintered wieder.
"Late, I say. Lady Alice, too late be you." The rabbit hopes into the wavering candlelight. His unbuttoned red tailcoat flaps open, revealing his rib cage. [...] It's not the White Rabbit or any kind of rabbit at all. It's a tiny, dwarfish creature the size of a bunny. The legs, arms and body are humanoid but fleshless - a bleached-out skeleton.
Was jedoch geblieben ist, ist die Unlogik in Wonderland. So gibt es kein Zwielicht - entweder es scheint die Sonne, oder der Mond. Auch auf die physikalischen Gesetze sollte man sich nicht verlassen. Ebenso normal ist es natürlich, dass das gebratene Abendessen vom angerichteten Teller hüpft und gefangen werden will, bevor man es zerstückelt und isst. In Splintered gibt es ebenso viel zu lachen, wie zu gruseln.
"You understand the logic behind the illogical, Alyssa. It's in your nature to find tranquility amid the madness."
Die Autorin erzählt in ihrem Debütroman nicht die Geschichte von Alice neu, sondern lässt Alyssa ihren ganz eigenen Trip ins Wunderland machen. Es gelang ihr beide Geschichten glaubhaft miteinander zu verknüpfen, ohne Splintered dabei als einen Abklatsch wirken zu lassen. Es ist natürlich wieder das Wunderland und wieder ein ganz fantastisches Abenteuer, jedoch in einer vollkommen eigenen Art. Dazu trägt natürlich gerade diese dämmrige Stimmung mit seinen schaurigen Figuren und ihrer Zwietracht bei. Ähnlich wie man es bei Tim Burton oder American McGee kennengelernt hat.

Doch, jetzt kommt die Abers. Obwohl die Figuren, die Umgebung und die Geschehnisse stark verfremdet wurden, hätte man doch noch ein Stück weiter gehen können. Ein Tick tiefer in den Horror hinein. Die Spannung und Unterhaltung ist da und man möchte einfach nur lesen, lesen, lesen (leider musste ich zwischendurch arbeiten, und essen, und so anderen lebensnotwendigen Dingen nachgehen), aber so ein paar Schocker wären auch nicht schlecht gewesen. Wobei es dann sicher kein Young Adult Werk mehr gewesen wäre.

Der zweite Streitpunkt - und auch in vielen vielen Büchern ein Streitpunkt - ist die Konstellation der Beziehungen. Wir haben da Alyssa und ihren - seit Kindheitstagen - besten Freund Jeb, welcher mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Hinzu kommt dann noch Morpheus, einen Netherling (so nennen sich die Bewohner hinter dem Spiegel), welcher Alyssa durch Wonderland führt. Das Chaos ist perfekt. Und man sitzt dann oft da und meckert ins Buch hinein, warum die Herrschaften denn nicht einfach sagen können wie es ihnen geht. Aber außerhalb des Bücherregals ist es ja nicht anders.

Leider gibt es auch schon Gruppierungen a la Twilight, die sich in Team Jeb und Team Morpheus teilen. Dabei weiß doch jeder, dass Jeb gewinnt. Pff, brauchen wa uns nix vormachen.
"And just so you know, if anything happens to her, I'll pin you by your wings to a corkboard and use you for dart practice."
Was vielleicht für euch noch wichtig zu wissen sein könnte ist, wie lesbar denn das Englisch ist. Ich habe Splintered auf Lorn, meinem Kindle, gelesen und brauchte ein mir unbekanntes Wort nur anvisieren und bekam direkt die Übersetzung. Daher war es kein Ding. Hat man diese Funktion jedoch nicht, könnte man an der ein oder anderen Stelle hängen. Vor Allem bei den Namen der ganzen Insekten und Pflanzen. Zudem gibt es viele Adjektive die mir so nichts gesagt hätten. Während des Abis hatte ich so im Durchschnitt 12/13 Punkte. Vielleicht hilft euch das ja als Vergleich ;)

Jamensch, so lang sollte die Rezension gar nicht werden. Aber ich habe auch nicht mit solch einem Schatz gerechnet. Als Debütwerk absolute klasse. Alles richtig gemacht im Leben. Dafür gibt es volle Punktzahl und mein Herz. Und bis der zweite Band, Unhinged, Anfang 2014 erscheint, verkrieche ich mich mit The Moth in the Mirror ins Schlafzimmer, vor dem Spiegel. Vielleicht hab ich ja Glück und..