[Rezension] Göttlich verdammt von Josephine Angelini

Titel: Göttlich verdammt
Originaltitel: Starcrossed
Autor: Josephine Angelini 
Verlag: Dressler
Veröffentlichung: 01. Juni 2011
Seiten: 494 Seiten
Kosten: 19,95 € als Gebundene Ausgabe
Genre: Mythology, YA, Romance

Das ist das erste Buch, seitdem ich Rezensionen schreibe, wobei ich wirklich abwägen musste, ob ich dazu eine Rezension verfasse oder nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich kein Fan von Göttergeschichten bin. Aber erstmal der Reihe nach..

Josephine Angelini wuchs als Jüngste von Acht Kindern auf und schrieb bereits mit 10 Jahren für eine Zeitschrift. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaften in New York City mit den Schwerpunkten Antike tragische Helden und Griechische Mythologie - was sich auch in der Göttlich-Trilogie, ihre ersten Romane, wiederspiegelt. Derzeit lebt sie mit ihrem Mann in Los Angeles.


Helen lebt mit ihrem Vater auf der kleinen Insel Nantucket, vor der Ostküste Amerikas. Aufgrund ihrer Größe und Schönheit zog sie schon immer viel Aufmerksamkeit auf sich, dabei versucht sie ihr Möglichstes unscheinbar zu sein. Leider gelingt es ihr auch nicht, sich hinter Claire, ihrer japanischen besten Freundin, zu verstecken. Auch wenn es auf der Insel relativ unspannend ist, und sie sich wünscht irgendwann aufs Festland zu ziehen, ist sie mit ihrem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Zumindest bis zu dem Tag, an dem die Familie Delos nach Siasconset zieht. Gerüchten zufolge sahen sie unbeschreibbar gut aus - was Helen jedoch nicht im geringsten interessierte. Im Gegenteil. Als sie einen der Söhne, Lucas, das erste mal in der Schule begegnet, keimt ein unglaublicher Hass in ihr auf. Sie stürzt auf Lucas zu und will ihn nur noch tot sehen.

Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Mir ist bewusst, dass viele Menschen die Göttlich-Reihe lieben - ich kann leider nur nicht nachvollziehen warum. Und das schlimme ist, dass ich Göttlich verdammt jetzt zerreißen werde und sich dadurch vielleicht einige auf den Schlips getreten fühlen. Aber Meinungen sind ja bekanntlich verschieden.

Man erkennt bereits auf der ersten Seite, ob einem der Schreibstil zusagt oder nicht. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Mir gefiel er leider gar nicht. Das zog sich auch durch das ganze Buch. Am schlimmsten dabei waren die Reaktionen der Charaktere. Sie waren nicht nur - meiner Meinung nach - größtenteils unangebracht beziehungsweise nicht nachzuvollziehen, sondern wiederholten sich auch ständig. Die Schulter halten, Fäuste ballen, mit der Hand über das Gesicht fahren, durch den Raum tigern - bei jedem Charakter, ständig. Wenn eine Figur es macht, da es eine dumme Angewohnheit ist, seh ich drüber hinweg, aber jeder Mensch in diesem Buch? Hätte ich sehr viel Langeweile, würde ich das Buch noch mal lesen und Strichlisten führen.
Helen schießt dabei den größten Vogel ab. Ihr Verhalten gegenüber Menschen ist einfach nur schrecklich. Sie ist weinerlich und grundsätzlich immer pessimistisch. Sie hat an allem etwas negatives auszusetzen. Ihren Vater, einen unglaublich liebenswerten Menschen, stößt sie regelmäßig vor den Kopf, spricht nicht mit ihm oder rennt gleich weg. Für ein Jugendbuch, keine geeignete Hauptrolle.
"Du bist ... Das ist ... Ich kann nicht fassen, dass du mir das antust!", brüllte sie und zeigte wütend mit dem Finger auf ihn. Sie stampfte im Kreis herum, kickte den Fuß in den Sand und versuchte herauszufinden, wieso sie so verärgert war.
Lucas tut mir in seiner Rolle eher leid. Er hat nämlich kein Leben abbekommen. Ständig scheint er nur damit beschäftigt zu sein, Helen nachzulaufen. Und wenn er doch mal seinen eigenen Bedürfnissen nachgeht, schickt er andere an Helen's Fersen. Natürlich nur aus Liebe. Unglaublich romantisch oder? Naja, nein, eigentlich nicht. Der Junge zeigt nämlich keinerlei Emotionen und scheint auch sonst so interessant wie ein Stück Toastbrot zu sein. Da hat Edward mehr Komplexität.
Kurz gesagt: die Charaktere sind einfach nicht rund.

Auch die Dialoge sind einfach nur zum Buch-aus-der-Hand-legen. Ausdrucksweisen die nie einer gebrauchen würde (könnte jedoch auch an der Übersetzung liegen), kein Witz, kein Sarkasmus, keine spritzigen Gespräche, alles vollgestopft mit Informationen über Götter, verwirrende Familienverhältnisse oder Kitsch. Und ich meine richtigen Kitsch. Es ist nicht romantisch oder Teenagersüß, sondern eklig. So ein Ich-liebe-dich-mehr-als-meine-Familie-,-lass-uns-durchbrennen-Eklig.

Ich bekam einfach das Gefühl, dass die Autorin teilweise keine Ahnung hatte was sie schreibt. Auch, dass sie einfach nicht schreiben kann. Die Sätze waren kurz und simpel. Keine schlüssigen Metaphern, keine Bildhaftigkeit, keine Emotionen der Protagonistin, keine Tiefe.

Die Göttlich-Reihe wird ja oft mit Twilight verglichen. Kann ich ebenfalls nicht verstehen. Ob man Twilight jetzt mag oder nicht, Stephanie Meyers konnte schreiben, man hat einen Stil erkannt, sie konnte Charaktere in Szene setzen und sie sich entwickeln lassen. Angelini kann das nicht. Ihre Charaktere bleiben einfach unspektakulär und sind sofort wieder aus dem Gedächtnis, wenn man das Buch beiseite gelegt hat.

Einzige Ausnahme: Hector. Für mich, die einzige Figur, die überzeugt. Er ist witzig, immer einen lockeren Spruch parat, hat Charakter, Emotionen - er ist einfach da. Man könnte ihn in ein anderes Buch setzen und es würde nicht auffallen, dass er dort nicht rein gehört, weil er ganz einfach vollständig erscheint. Schade dass er nicht die Hauptperson der Geschichte ist. Mit ihm würde ich mir die Trilogie auch zu Ende durchlesen.


PS: Weil ich ja zu Beginn meinte, dass ich mit griechischen (und auch römischen) Göttern nichts anfangen kann.. Das ist natürlich ein wichtiges Thema in der Geschichte, jedoch kein Grund für mich dessen Bewertung zu mindern. Die lieb gemeinten zwei Sterne gibt es einzig und allein für den Gesamteindruck.